unser Training

Wer mit gängigen Ritterfilmen vertraut ist, sieht die Helden sich minutenlang über die Leinwand fechten. Wer es dann selbst einmal ausprobiert stellt schnell fest: a) nach spätestens drei Minuten Vollgas ist die Luft raus und b) wer zur Hölle schafft es in einem ernst zu nehmenden Duell, diese drei Minuten unverletzt zu überleben?

Unser Training beinhaltet neben der Nachkonstruktion überlieferter Techniken ganz klar den Aufbau der körperlichen Fitness sowie die damit einhergehende Schulung der Konzentration. In Trainingsspielen und Yogaübungen bauen wir Beweglichkeit und Körperkraft auf, wobei niemand auf der Strecke bleibt! Wir vermitteln unseren Schülern stets die Eigenverantwortlichkeit selbst für sich lernen zu dürfen und sich auch im Rahmen unseres Trainingskonzeptes einzubringen. Ihr macht es für Euch - nicht für uns!
Ein grundlegendes Prinzip ist, ohne Schutzausrüstung zu trainieren. Das mag dem Neuling vorerst unbehaglich erscheinen, schlägt man doch mit stumpfen Metallschwertern auf sich ein, doch führt es nach unserer Erfahrung zu weniger Verletzungen und erhöhter Präzision der eigenen Fähigkeiten. Der altdeusche Begriff für Fechten hieß „Schirmen“. Es ging stets darum, einen Kampf unbeschadet zu überstehen und nicht den „Punkt“ für das Turnier zuerst zu bekommen.

 

Das Stufensystem

In unserem Trainingskonzept trainieren wir nach einem Stufensystem. Jede Stufe wird mit einem Examen abgeschlossen. Diese Prüfung dient zum einen als Zielsetzung zum anderen als Zeichen, mit entsprechendem „Vokabular“ vertraut zu sein. Die Stufe 1 beinhaltet neben dem Buchtitel des Fechtmanuskripts das Vokabular der Schwertteile, die Teilung des Mannes sowie die von Meyer benannten Huten und Leger. Stufe 2 enthält alle Häue und Hiebe. In Stufe 3 wird die Handarbeit thematisiert. Im Gesellentraining der Stufe 4 werden Fechtstücke durchgenommen und das tiefere Verständnis zum Fechten durchgenommen.
Vielleicht scheint es dem ein oder anderen etwas spät, erst in der vierten Stufe mit dem eigentlichen Fechten anzufangen. Keine Angst - einerseits gibt es genug spannendes vorher zu erlernen, was Dich genug beschäftigen wird. Andererseits gibt es im Training genügend Übungen und Trainingsspiele, die Dich frei Dinge kombinieren lassen, an denen Du wachsen kannst.
Nach bestandener Gesellenprüfung werden unsere Schüler angehalten, auf Gesellenwanderschaft zu gehen und ihr erlerntes Wissen in anderen Schulen oder auf Turnieren anzuwenden, zu prüfen oder durch Teilnahme und Bestehen von Prüfungen anderer Kampfkünste zu erweitern. Das neu eingebrachte Wissen ist Grundvoraussetzung, um das Meistertraining beginnen zu dürfen.

Jeder fängt bei 1 an - egal wie groß die eigene Erfahrung im historischen Fechten bereits ist. Das hat nichts mit fehlender Wertschätzung oder Respektlosigkeit anderen Schulen gegenüber zu tun. Es ist uns sehr wichtig, dass wir alle vom selben Sprechen. Die unterschiedlichsten Schulen nutzen unterschiedliche Quellen, ja interpretieren die gleichen Überlieferungen teilweise unterschiedlich oder bezeichnen Techniken anders. Wir wollen dabei lediglich garantieren, dass wir zunächst über die „Buchstaben“ des Fechtens vertraut sind, um „Worte“ und im späteren ganze „Sätze“ oder gar „Romane“ in der Fechtkunst  dichten können. Dabei gibt es keine vorgeschriebene Zeit, in der auf einer Stufe verharrt werden muss. Wenn sich der Schüler für eine Prüfung bereit fühlt, kann er sie ablegen. Ist sie bestanden, können wir gemeinsam den nächsten Schritt angehen.

 

Waffen & Equipment

Während unserer Trainings der Stufen 1-3 trainieren wir vorwiegend mit stumpfen Übungsschwertern aus Metall. Für einige Übungen greifen wir auch auf Polsterschwerter zurück. Dabei verzichten wir jedoch weitgehend auf Schutzausrüstung und trainieren in bequemer Sportkleidung. Unsere Erfahrung hat gezeigt, dass - für manchen mag es zunächst merkwürdig klingen - ohne Schutzausrüstung die Verletzungsrate extrem gering bleibt. Langsames Heranführen an den Umgang mit dem metallenen Schwert führt bei uns dazu, Respekt vor Waffe und Trainingspartner aufzubauen. Das Verteidigen bekommt dabei eine viel höhere Bedeutung, denn in der Fechtkunst geht es vorwiegend um das Überleben und nicht um das „Punkte machen“. Der altdeutsche Begriff „Schirmen“, der ursprünglich für das Fechten verwendet wurde, bekommt so sein traditionelles Verständnis zurück. Ist keine Schutzausrüstung vorhanden, verhält sich der Kämpfer instinktiv anders, um sich zu schützen. Dieses Verhalten führt zu der Korrekten Anwendung der richtigen Techniken und somit - nach unserer Ansicht - einer möglichst realistischen Nachbildung der historischen Überlieferungen. Ab Stufe 4 - dem Gesellentraining - beginnen wir, mit Fechtmasken zu trainieren.

Generell ist bei uns alles freiwillig und niemand wird gezwungen weitere finanzielle Aufwände zu betreiben. Es hat sich aber gezeigt, dass zumindest die Anschaffung eines Schwertes sich lohnt, um zu trainieren. Je nach dem kann eine gute Einsteigerklinge aus Metall zwischen 180,- € bis 350,- € liegen. Für die erste Zeit genügt auch ein Holzschwert, dessen Kosten etwa bei 50,- € liegen. Die Chance, gut gepflegte und gebrauchte Metallklingen einiger Mitglieder zu erwerben besteht gelegentlich. Der Verein selbst verfügt über keine metallenen Leihschwerter - das ein oder andere Mitglied allerdings schon, was für die ersten Trainings genügen mag.